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Erfolgsgeschichte Frau Diallo

                                                                                                                                                     
„Ich habe nie locker gelassen“   


Die Erfolgsgeschichte einer Migrantin.

 

Die Geschichte, die Fatoumata Kindi Diallo erzählt, ist eine Erfolgsgeschichte. Doch ein paar Tränen rollen auch. Kein Wunder, es ist der jüngste Teil ihrer Lebensgeschichte. Fünf ereignisreiche Jahre voller einschneidender Erlebnisse. Vorläufiger Höhepunkt: der sehr gute Abschluss einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau – mit einer Zwei in der schriftlichen und einer Eins in der mündlichen Prüfung. Die hat sie bei der Husemann Textil GmbH in Epe absolviert.

Ende 2009 ist die heute 28-Jährige aus dem westafrikanischen Guinea nach Deutschland gekommen. Sie floh vor keinem Krieg, keiner Seuche, hatte auch in ihrer Heimat genug zu Essen – sie kam um der Liebe willen. Ihr Mann, den sie kurz zuvor geheiratet hatte, lebte und arbeitete schon seit einigen Jahren in Holland. Fatoumata würde ihrem Mann nach Europa folgen, so hatten es die Eheleute abgesprochen. Im Gepäck hatte sie den frischen Bachelor-Abschluss eines Wirtschaftsstudiums, drei Sprachen (Fula, Französisch und Englisch) und ihr ungeborenes Kind.

Nein, das deutsche Klima mag sie nicht so sehr, gibt Diallo zu. „Wenn es kalt wird, dann richtig. Und wenn es warm wird, dann hat man gleich das Gefühl, nicht richtig atmen zu können.“ Kein Vergleich zum tropischen Klima ihrer Heimat. Vom Wetter abgesehen läuft das gemeinsame Leben der Diallos in Europa gut an: Nach einer kurzen Zeit in den Niederlanden zieht das Paar nach Gronau. Fatoumata Diallo bringt zwei Söhne zur Welt, lebte eine Weile als Hausfrau und Mutter, lernte so gut es ging Deutsch. Ihr Mann stachelt ihren Ehrgeiz zusätzlich an: „Wenn ich immer für dich übersetze, lernst du die Sprache nie“, argumentiert er, wenn er sein Frau nicht zu Terminen begleitet.

Aber dann rührt sich etwas in Diallo: „Ich habe gemerkt, dass ich nicht ein Leben lang Hausfrau sein wollte. Das ist nichts für mich“, erzählt sie rückblickend. Obwohl ihr Jüngster erst wenige Monate alt ist, wird sie bei der Agentur für Arbeit vorstellig. Dort empfiehlt man ihr ein Programm der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS). Das unterstützt junge Eltern, die eine Berufsausbildung nachholen wollen. Diallo passt nicht so ganz ins Raster dieses Angebots. „Aber ich habe nie locker gelassen und immer wieder dort angerufen.“

Schließlich wird sie in das Programm aufgenommen, ihr Bachelor als Fachabitur anerkannt. Und sie hat Glück: Denn bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz trifft sie mit Walburga Husemann auf eine Chefin, der Menschen wichtiger sind als Zeugnisse.

Nach einem Praktikum bekommt Fatoumata Diallo bei Husemann eine Ausbildungsstelle in Teilzeit – sechs Stunden arbeitet sie am Tag in der Firma. „Die Ausbildung war toll, ich habe sehr viel gelernt. Frau Husemann hat mich mit Input regelrecht gefüttert.“ Doch trotz aller Bemühungen droht das Projekt zu scheitern. Es hapert an der Sprache. „Für den Alltag war mein Deutsch ausreichend, aber nicht für den Job. Mir fehlten die Fachbegriffe.“ Walburga Husemann signalisiert ihrer Auszubildenden, dass sie trotzdem an sie glaubt, verlängert die Probezeit, ermöglicht ihr die Teilnahme an Weiterbildungskursen. Und Fatoumata Diallo beweist, dass sie dieses Vertrauen auch verdient: „Ich hatte immer ein Wörterbuch dabei. Jedes neue Wort habe ich nachgeschlagen und am nächsten Tag versucht, es zu verwenden.“

Etwa nach einem halben Jahr kommt die Wende, Diallos Ehrgeiz und Fleiß machen sich bezahlt. Ausruhen kann sie sich aber trotzdem nicht, schließlich muss sie sich neben dem Job auch noch um ihre Jungs kümmern. „Mein Mann hat mir bei der Kinderbetreuung aber auch viel abgenommen, sonst hätte ich das gar nicht geschafft“, sagt Diallo.

Inzwischen gehen die heute drei und fünf Jahre alten Jungen in den Kindergarten. Für den Großen steht nächstes Jahr schon die Einschulung an. Einer von vielen Gründen, warum die Diallos beschlossen haben, in Gronau zu bleiben. Ein anderer: „Das Leben in Gronau ist ruhig und entspannt. Das ist richtig gut für die Kinder. Fatoumata Diallo weiß, wovon sie spricht: Sie ist in der Hauptstadt Conakry aufgewachsen, einer 2,5-Millionen-Metropole. „Schon als Kind habe ich es geliebt, wenn wir zu Oma und Opa aufs Dorf gefahren sind. Ich bin wohl ein Landmensch“, erzählt sie schmunzelnd.

Trotzdem übermannt sie manchmal das Heimweh nach Guinea. Die Menschen dort seien offener, die Gemeinschaft wichtiger. Wenn sie sich von den Deutschen etwas wünschen könnte, dann dass sie aufgeschlossener wären und nicht immer gleich das Negative in ihrem Gegenüber sehen. „Dunkelhäutig, ungebildet, Hartz-IV-Empfängerin“, das sei so eine Kette von Vorurteilen, mit denen sie sich manchmal konfrontiert wisse.

Aber zum Glück gebe es ja auch die Begegnungen der anderen Art – wie die mit Walburga Husemann. Die hat ihre erfolgreiche Auszubildende jetzt auch als Teilzeitkraft übernommen.